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Positionspapiere der KSHG

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Auf dieser Seite sind alle bisher vom KSHG-Rat verfassten Positionspapiere veröffentlicht:

Brief des KSHG-Rates an den Rat der Stadt Münster zum Thema zusätzliche Aufnahme aus Seenot geretteter Menschen

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates der Stadt Münster,

das massenhafte Sterben flüchtender Menschen im Mittelmeer bleibt weiterhin traurige Realität. Seit der Einstellung der staatlichen Rettungsprogramme engagieren sich private Seenotrettungsorganisationen gegen die Abschottungspolitik der EU und werden selbst aktiv, um Leben zu retten. Dabei erfahren sie starken Gegenwind, ihre Arbeit wird zunehmend erschwert und kriminalisiert.

Leider fehlt in den meisten Ländern der EU die Bereitschaft, aus Seenot gerettete Menschen aufzunehmen. Genau hier können die Kommunen eine entscheidende Rolle spielen, indem sie sich zu einer zusätzlichen Aufnahme freiwillig bereit erklären. Damit schaffen sie nicht nur einen Ausweg aus der konkreten Notsituation, sondern signalisieren gleichzeitig, dass die Bereitschaft der Bevölkerung, weitere Menschen zu integrieren, vorhanden ist.

Wir, der gewählte Rat der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde, fordern aus christlicher Überzeugung eine Flüchtlingspolitik, die sich unmissverständlich zur Solidarität mit Menschen in Not bekennt. Wir sind überzeugt, dass eine große Mehrheit der Münsteraner Bevölkerung willens und in der Lage ist, weitere Geflüchtete zu integrieren. Deswegen bitten wir Sie, die Mitglieder des Rats der Stadt Münster, für eine zusätzliche Aufnahme aus Seenot geretteter Menschen zu stimmen. Die Stadt würde damit zahlreichen anderen Städten folgen und damit ein Zeichen der Nächstenliebe und Weltoffenheit setzen. In diesem Punkt unterstützen wir die Anliegen der Seebrücke Münster.

Unterzeichnet vom KSHG-Rat, Münster 07.05.2019


Positionspapier des KSHG-Rates zu den Anliegen von Maria 2.0

Mehr als zwei Wochen ist es her, dass die Aktionswoche der Bewegung Maria2.0 stattfand. Wir als KSHG-Rat haben uns mit den Anliegen von Maria2.0 auseinandergesetzt. Dabei bewegen wir uns in einem Spannungsfeld zwischen diskriminierenden lehramtlichen Normen und unseren Lebenswirklichkeiten, dem, wie wir Kirche leben. Vor dem Hintergrund kirchlicher Missstände können und wollen wir uns als junge Gemeinde engagierter Christ*innen nicht gleichgültig verhalten, weshalb wir hiermit Stellung zu einer Kirche der Zukunft beziehen.

Wir setzen uns ein und fordern:

  • Eine Gleichbehandlung aller Menschen. Das beinhaltet ein Ende der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sowie einen gleichberechtigten Umgang und Anerkennung von Homo- und Heterosexuellen.
  • Geschlechtergerechtigkeit. Das bedeutet für uns auch die strukturelle Gleichstellung von Frauen durch Zulassung zu allen kirchlichen Ämtern, Aufgaben und Positionen.
  • Eine Aufhebung des Pflichtzölibats.
  • Eine umfassende Aufklärung sexuellen und geistlichen Missbrauchs. Das bedeutet eine konsequente Aufarbeitung von begünstigenden Strukturen und eine selbstverständliche Strafverfolgung von Tätern vor weltlichen Gerichten.
  • Eine kritische Reflexion von Machtstrukturen und Prävention jeglicher Form von Machtmissbrauch auf allen Ebenen

Unterzeichnet vom KSHG-Rat, Münster, den 04.06.2019


Positionspapier des KSHG-Rates zum Thema Rassismus

Angestoßen durch den Tod von George Floyd und den Demonstrationen in den USA ist auch in Deutschland die Debatte über Rassismus neu entfacht: Menschen gehen auch hier auf die Straßen und skandieren „Black Lives Matter“. Ein Protest, der dringlicher nicht sein könnte, weil er Gewalt, Diskriminierung und strukturelle Ungleichheit verurteilt.

Rassismus gibt es jedoch nicht nur in den USA und nicht erst seit dem 25. Mai 2020; gesellschaftliche Machtverhältnisse führen weltweit und seit Jahrhunderten zu Ablehnung und fördern Diskriminierungsmuster, die sich sowohl in Alltagsrassismus als auch in strukturellem Rassismus bezogen u.a. auf Herkunft, Hautfarbe, Religion, Ressourcen, Sprache und kulturelle Merkmale wiederfinden.

Doch was kann helfen, um etwas gegen strukturellen Rassismus sowie den in unserer Gesellschaft ausgeprägten Alltagsrassismus zu tun? Auf die folgende Problematik muss an dieser Stelle hingewiesen werden: Unsere Betroffenheit über Ereignisse wie den Tod von Georg Floyd ist vergänglich – die Angst jener die unter Rassismus (Polizei-)Gewalt und Diskriminierung leiden, ist es nicht. Wir verspüren Bestürzung, Trauer und Wut, wenn wir Berichte über Rassismus hören – doch die meisten von uns sind davon nicht persönlich betroffen. Kurzum: Ob und auf welche Weise wir uns mit der Problematik auseinandersetzen, kann die Mehrheit von uns selbst entscheiden – im Gegensatz zu Betroffenen, die sich alltäglich gegen Anfeindungen wehren müssen – dies ist ein Privileg der Weißen.

Als Hochschulgemeinde ist es uns wichtig, dass auch wir uns zum Thema Rassismus positionieren. Wir wollen laut werden gegen Rassismus, wollen Position beziehen – doch angesichts der dargestellten Problemlage können wir das nicht, ohne zunächst einmal zuzuhören und uns selbst zu hinterfragen! Von den Betroffenen, die sich jetzt zu Wort melden, wissen wir, dass Rassismus nicht immer offen und konfrontativ daherkommt. Er ist oft subtil und vielleicht nicht einmal intendiert. Die Fragen an uns persönlich und als KSHG, ob wir uns schon einmal unbewusst rassistisch geäußert haben, ob und inwiefern wir von rassistischen Strukturen profitieren und diese vielleicht sogar selbst fördern, sind zwar unangenehm, dafür aber umso wichtiger. Denn nur wenn wir uns mit unseren eigenen Denkstrukturen, den Privilegien, die wir aufgrund unserer Hautfarbe und Herkunft genießen, auseinandersetzen, wenn wir uns dieser herausfordernden Selbstreflektion stellen, können wir wirksam gegen Rassismus einstehen.

Folgende Fragen wollen wir uns in unserem Gemeindealltag stellen:

  • Zuhören: Wo kommen Schwarze und Personen of Color in unserer Gemeinde zu Wort und wie können wir im Gespräch bleiben?
  • Auseinandersetzung mit den Hintergründen: Woher kommen rassistische Strukturen und was begünstigt diese? (Geschichte und Gegenwart)
  • Selbstreflexion: Wir wollen Kirche für alle sein. Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung, etc. Wie leben wir diesen Anspruch und wie spiegeln wir diesen Wunsch nach Außen?
  • Dranbleiben: Nur weil wir uns heute damit beschäftigen ist Rassismus morgen nicht abgeschafft. Wie können wir uns das Thema in der Gemeinde immer wieder vor Augen halten?

Unterzeichnet vom KSHG-Rat, Münster, den 31.Juli 2020